Wir fordern etwas sehr einfaches, dass -die Regierung- unsere Desaparecidos wiedergibt

Amnistía Internacional Alemania | Leticia Hillenbrand

Traducción al español: Nosotros exigimos algo muy sencillo: que el Gobierno nos entregue a nuestros desaparecidos

28. November 2013 – Dies sind die Worte von Jorge Verástegui und der Familienangehörigen der 320 Verschwundenen im Bundesstaat Coahuila, Mexiko. Am 24. Januar 2009 wurden der Bruder von Jorge, Antonio Verástegui, und sein Neffe Antonio de Jesús Verástegui Escobedo von schwer bewaffneten und maskierten Männern festgenommen. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Jorge, 22 Jahre alt, hat seit diesem Zeitpunkt nicht mehr damit aufgehört, seine Angehörigen zu suchen.

Gemeinsam mit anderen Familien von Verschwundenen gründete er 2009 die Organisation FUNDEC (Fuerzas Unidas por Nuestros Desaparecidos en Coahuila, Vereinigte Kräfte für Unsere Verschwundenen in Coahuila). Es war die Antwort der Betroffenen auf die Unfähigkeit der mexikanischen Behörden, die zahlreichen Fälle von Verschwindenlassen im Land aufzuklären.

Auch Amnesty International hat sich in einem im Juni 2013 veröffentlichten Bericht mit dem Verschwindenlassen von Personen in Mexiko auseinandergesetzt. Aus diesem geht hervor, dass in Mexiko jeder in Gefahr schwebt, zum Opfer dieses Verbrechens zu werden. Verantwortlich sind kriminelle Individuen oder Banden, oft aber auch Angehörige mexikanischer Behörden.

Im Oktober 2013 besuchte Jorge Verástegui das Amnesty-Büro in Berlin. Dabei

hatten wir die Gelegenheit, ihn zu interviewen.

Als ihr FUNDEC gegründet habt, hattet ihr 80 dokumentierte Fälle von Verschwundenen im Bundesstat Coahuila. Wie viele Fälle von Verschwundenen habt ihr bis heute registriert? 

FUNDEC hat bis August 2013 320 Fälle von Verschwundenen in Coahuila dokumentiert.

Wie viele von diesen Fällen sind von den Behörden in Coahuila untersucht worden?

In allen 320 Fällen wurde eine Akte angelegt. Das Problem ist, dass die Staatsanwaltschaft nicht weiter ermittelt. Daher haben einige Familien die Suche nach ihren Verwandten durch die Staatsanwaltschaft einstellen lassen. Sie sind es leid, immer wieder nur leere Versprechen von den Behörden zu bekommen.

Dabei könnte eine seriöse Ermittlung sogar zum Erfolg führen. Dadurch könnten aber auch die Verwicklungen von Streitkräften und Staatsangestellten mit der organisierten Kriminalität zutage treten. Dies wollen die mexikanischen Behörden verhindern.

Im März 2011 besuchte die UN-Arbeitsgruppe gegen Verschwindenlassen auf Einladung von FUNDEC Coahuila. Was ist bei diesem Besuch herausgekommen, und wie haben die lokalen Behörden auf den Besuch reagiert?

Der Besuch der UN-Arbeitsgruppe war für uns sehr wichtig. Ursprünglich hätte die Arbeitsgruppe nur die Hauptstadt und die Bundesstaaten Guerrero und Chihuahua besuchen sollen. Wir aber wollten unbedingt, dass sie auch die Lage in Coahuila untersuchen.

Obwohl die UN-Arbeitsgruppe nur Fälle von Verschwindenlassen überprüft, in die die Sicherheitskräfte involviert sind, haben wir es geschafft, dass sie sich alle von FUNDEC dokumentierten Fälle ansahen. Darunter waren sowohl Fälle, in die die Sicherheitskräfte verwickelt sind, als auch Fälle, in denen die Personen von bewaffneten Gruppen entführt wurden. Somit konnten wir der UN-Arbeitsgruppe die ganze Bandbreite der Problematik darstellen. Dies hat bei den lokalen Behörden Wirkung gezeigt, denn einen Monat vor dem Besuch der Arbeitsgruppe wurde eine spezielle Staatsanwaltschaft für die Fälle von Verschwundenen eingerichtet.

Im Juli 2013 organisierte FUNDEC das erste internationale Forum über Verschwindenlassen in Mexiko mit Gästen aus Zentralamerika und Italien. Was waren die Ergebnisse dieses internationalen Treffens?

Das erste positive Ergebnis war, überhaupt einen Raum für ein solches Treffen bekommen zu haben, wo sich sowohl Staatsangestellte und Regierungsvertreter als auch Familienangehörige, Menschenrechtsverteidiger und Experten austauschen konnten. Daraus entstanden verschiedene Arbeitsgruppen, die Vorschläge an die Regierung erarbeiten sollen. Ziel ist eine Revision des Strafrechts, die Einführung eines Hilfsprogramms für die Familienangehörigen der Verschwundenen sowie die Standardisierung von Ermittlungsprotokollen von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Gibt es Fortschritte in dem Fall deiner verschwundenen Familienangehörigen?

Nein, leider gibt es keine Fortschritte. Die Staatsanwaltschaft ist noch immer auf dem Stand der Informationen, die ich 2009 auf eigene Faust beschafft habe. Nun stellt sie die Lage so dar, als habe sie die ganzen Ermittlungen selbst durchgeführt. Die Suche nach meinen Angehörigen soll so in die Länge gezogen werden, dass die Verantwortlichen nicht mehr gefunden werden können.

Was fordert FUNDEC als Organisation und ihr als Familienangehörigen der Verschwundenen von der mexikanischen Regierung?

Wir fordern etwas sehr Einfaches – dass uns die Regierung unsere Verschwundenen wiedergibt. Wir fordern nicht länger Gerechtigkeit, sie interessiert uns nicht mehr. Denn Gerechtigkeit existiert in Mexiko nicht. In unserem Land werden die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen seit Jahrzehnten nicht belangt. Wenn die Fälle der Verschwundenen des schmutzigen Krieges (1970-1980) inzwischen aufgearbeitet worden wären, wäre die Lage in Mexiko heute eine andere. Aber die Opfer von damals sind auch heute noch Opfer. Der Staat ist unfähig, diesen Menschen ihre Rechte wieder zu geben.

Daher konzentrieren wir uns auf die Suche nach unseren Angehörigen. Damit begeben wir uns selbst in Gefahr ermordet zu werden, denn in Mexiko sind Menschenrechtsaktivisten stark gefährdet. Aber das hindert uns nicht daran, weiter zu suchen. Uns treibt dabei nicht nur der physische Verlust unserer Verwandten an. Ein Teil von uns verschwindet mit den Verschwundenen. Solange wir sie nicht wiederfinden, ist es, als ob wir selbst tot wären. Für uns ist der Staat der Verantwortliche dieser Verbrechen und wir werden nicht aufhören, ihn daran zu erinnern.

Vielen Dank für das Interview.

Fragen: Leticia Hillenbrand, Mexiko-Kogruppe, Berlin im Oktober 2013

Fuente: http://www.amnesty.de/2013/11/28/wir-fordern-etwas-sehr-einfaches-dass-uns-die-regierung-unsere-verschwundenen-wiedergibt?destination=node%2F665

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